Die Geschichte der Dreieinigkeitskirche

Das herausragende Ereignis für die Regensburger evangelische Gemeinde inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Krieges war die Errichtung der Drei­ei­nig­keits­kirche 1627–1631. Sie war eine der ersten evangelisch–lutherischen Kirchenneubauten in Bayern. Der Neubau einer großen protestantischen Stadt­kir­che hatte sich durch die gewachsene Zahl an Gläu­bi­gen, darunter viele Exulanten aus der Oberpfalz und Österreich, schon lange als notwendig erwiesen. Sie waren für die Stadt die erste spürbare Auswirkung des Glaubenskrieges. Seit 1563 war die Dominikaner–Klosterkirche St. Blasius vom Orden und der Stadt Regensburg gemeinschaftlich genutzt worden. Den Zugang zur Klosterkirche hatte man sich jedoch sei­ner­zeit gewaltsam verschafft und die gemischt­kon­fes­sio­nelle Nutzung im Nachhinein legalisiert. Der ka­tho­li­sche Orden konnte 1626 beim Reichshofrat in Wien durchsetzen, daß die protestantische Stadt nach Erhalt einer Entschädigung von 6000 fl. die Kirche bis 1628 zu räumen und dem Orden gänzlich zu­rück­zu­ge­ben habe.

Der Rat beschließt den NeubauDadurch wurde die ohnehin herrschende Raumnot wäh­rend der evangelischen Gottes­dienste noch weiter verschärft. Bereits im Januar 1627 wurde gegenüber der städtischen Poetenschule ("Alumneum") ein Gebäude abgerissen, um freien Bau­raum zu gewinnen. Es war erst 1613 errichtet worden und fungierte, wie wir heute sagen würden, als eine Art Stadthalle. Erst im Februar fiel im Inneren Rat dann der konkrete Entschluß, eine neue Kirche zu bauen. Mit dieser Entscheidung sollten wie­der drei Kirchen für den evangelischen Gottes­dienst zur Verfügung stehen: die Neupfarrkirche, die St. Oswald–Kirche und die neue Dreieinigkeitskirche.

Die Grundsteinlegung für den unumgänglichen Kirchenbau fand am 4. Juli 1627 statt, seine feierliche Einweihung erfolgte am 5. Dezember 1631 nach nur rund viereinhalb Jahren Bauzeit.
GrundrißNachdem ein an­ge­for­der­ter Entwurf vom pfalz–neuburgischen Architekten Matthias Stang zu spät eintraf, verpflichtete der Rat den Nürnberger Johann Carl (1587–1665) als Architekten, obwohl dieser als Zeugmeister, Fe­stungs­bau­mei­ster und Ingenieur mit Kirchenbau nor­ma­ler­weise vermutlich wenig zu tun hatte. Carl ent­wickelte zwei Projekte: das erste sah eine drei­schiff­ige Hallenkirche mit Westturm in spätgotischer Tra­di­tion vor, das zweite einen säulenlosen (und somit wohl auch preisgünstigeren) Saalbau, für den man sich mit Abänderungen entschied. Der Architekt ver­ar­bei­tete zwar niederländische und heimische Ein­flüsse, läßt sich jedoch auf keine konkreten Vorbilder für seinen Entwurf festlegen.

Altar der DreieinigkeitskircheDie Bauarbeiten kamen zügig voran und nach nur vier Jahren Bauzeit konnte das neue Gott­es­haus geweiht und seiner Be­stim­mung über­ge­ben werden. Lediglich der Südturm mußte noch vollendet werden, was die Wirren des Re­li­gions­krie­ges zwei Jahre später jedoch vereiteln sollten. Zur Einweihung war die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Statt der mehrtägigen Einweihungszeremonien, die der ka­tho­li­sche Ritus damals vorschrieb, wurde es mit einer be­tont einfach gehaltenen Zeremonie als Gotteshaus der Gemeinde übergeben.

Die beiden den Chor flankierenden Türme haben in Regensburg ältere Vorbilder an der Jakobskirche und der Neupfarrkirche. Die flache Tonne des Langhauses konstruierte Carl nach Georg Beers Stuttgarter Lust­haus.

Blick in das KircheninnereZwei Dinge sind an Carls Arbeit be­son­ders hervor zu he­ben: die um das gesamte Langhaus an­ge­ord­ne­ten Rundfenster zur Be­leuch­tung der Em­po­ren­un­ter­räu­me und die stü­tzen­lo­se, nur auf Konsolen ruhende und den ganzen Bau umziehende Empore. Es entstand so ein breiter, heller Kirchensaal, dessen Raum frei von störenden Säuleneinbauten ist. Dies erlaubt einen bestmöglichen Blick auf Altar und Kanzel, eine wichtige Anforderung an eine evan­ge­li­sche Predigtkirche.

Kanzel der DreieinigkeitskircheDie Zweckmäßigkeit der Konstruktion im evangelischen Sinne ("Am Anfang war das Wort...") trug der Kirche den Ruf als "eines der besten Meisterstücke in Teutschland" (Leonh. Chr. Sturm, 1718) ein. Übrigens ist auch der Einbau einer Empore ein für die damalige Zeit typisch pro­te­stan­ti­sches Merkmal: Die Gläubigen sollten so nah wie möglich an den Predigenden her­an­ge­bracht werden, um seine Worte gut ver­ste­hen zu können - überdimensioniert große Hallen sprachen diesem Verständnis von der Bedeutung des Wortes zuwider. Den damaligen Protestanten kam es auf das Hören, ihren katholischen Zeitgenossen auf das Sehen an.

Die Eckquader sind gut erkennbarMit Johann Carls Drei­einig­keitskirche er­reich­te die Tradition der Saalkirche mit ein­ge­zo­ge­nem Chor einen mo­nu­men­ta­len Höhe­punkt. Carls Herkunft aus dem Festungsbau läßt sich schön an der Betonung aller Kanten der Kirche durch Eck­ver­qua­der­ungen aus verzahnter Rustika erkennen. Dies war ein damals im Pro­fan­bau sehr beliebtes Motiv.

Um 1630/31 wurde das noch heute in Gebrauch befindliche Gestühl ein­ge­baut. Besonders beach­tenswert ist die Qualität der mit aufwendigen Knorpelwerkschnitzereien versehenen Dorsalien des Chorgestühls. Aus dem Jahre 1632 stammt die Opferstockfigur mit Klingelbeutel, die ur­sprüng­lich im Mittelgang stand, sich heute aber in einer Vitrine unter dem Kanzelaufgang befindet.

Die unvollendeten TürmeIm selben Jahr erzwang der nun auch Regensburg bedrohende Krieg die Einstellung der Baumaßnahmen am Südturm und den Portalen. Der Turm konnte nur bis zum dritten Geschoß fertiggestellt wer­den, was den Nord­turm optisch um so mehr her­vor­tre­ten läßt.
1633 wurde die Stadt von den Schweden eingenommen, das folgende Jahr war sie von bayerischen und kaiserlichen Trup­pen wiedergewonnen.

Aus dem späten 17. Jahrhundert stammen die in der Kirche aufgehängten Bilder: über dem Zugang zur Sakristei finden sich Ganzfigurenportraits von Luther und Melanchton, in der linken Ecke des Langhauses der Büßer Hieronymus und eine Halbfigur Christi.

Anbauten im 18. Jahrhundert

Die Späth-Orgel von ca. 1758Vor dem süd­li­chen der bei­den Chor­flan­ken­tür­me wurde 1755 eine Sakristei errichtet. Ein Jahr später begann der Regens­burger Orgel­bauer Franz Jakob Späth mit dem Einbau einer neuen Orgel auf der oberen Westempore. Das Gehäuse des 1758 fertiggestellten Instruments ist noch original erhalten, das Werk jedoch wurde 1898 und 1966 ersetzt.


Der Gesandtenfriedhof

Grabmal auf dem  GesandtenfriedhofEntlang der Kirche zieht sich südlich und östlich ein schmaler Friedhof, in dem eine Reihe von hochbedeutenden Barockgrabmälern steht. Hier finden sich auch die letzten Ruhestätten auswärtiger Reichstagsteilnehmer und Gesandter, die während ihres Aufenthaltes in Regensburg verstorben sind und bei der evan­ge­li­schen Stadtkirche ihre Grablage gefunden haben.

Die kunstvollen Grabmale datieren von der zweiten Hälfte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts und dokumentieren eindrücklich die Bedeutung der Drei­einig­keits­kirche für den Protestantismus im süddeutschen Raum der damaligen Zeit.

© Dreieinigkeitskirche Regensburg - Impressum - Übersichtsseite