Andacht zum Sonntag Rogate

Gedanken zum Sonntag »Rogate«, 17. Mai 2020

Lesung aus dem Matthäus - Evangelium:  Matthäus 6, 5-15
Bildrechte: beim Autor

Jesus sagt:   »Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler, die sich zum Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken stellen, um von den Leuten gesehen zu werden. Ich sage euch: Sie haben ihren Lohn damit schon erhalten. Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der auch im Verborgenen gegenwärtig ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen. Beim Beten sollt ihr nicht leere Worte aneinanderreihen wie die Heiden, die Gott nicht kennen. Sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie, denn euer Vater weiß, was ihr braucht, und zwar schon bevor ihr ihn darum bittet. Ihr sollt so beten:  "Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe auf der Erde, wie er im Himmel geschieht. Gib uns heute unser tägliches Brot. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig wurden. Und lass uns nicht in Versuchung geraten, sondern errette uns vor dem Bösen."  Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer Vater im Himmel euch auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, wird euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen auch nicht vergeben.«

Die betenden Hände – das dürfte wohl das bekannteste Bildmotiv des vielseitigen Nürnberger Renaissancekünstlers Albrecht Dürer  (*1471, Æ 1528)  sein. Vor gar nicht allzu langer Zeit zierte es unzählige Konfirmationsscheine. Oder es fand sich in mehr oder weniger hoher qualitativer Ausführung an so mancher Küchen-, Wohnzimmer- oder Schlafzimmerwand. Vielleicht haben Sie ja auch Ihre ganz persönlichen lebhaften Erinnerungen daran!?

Eine stete und stille Mahnung: Wie hältst du es mit dem Gebet? Oder auch eine behutsame Erinnerung: Es wäre Zeit zum Gebet. Andere Darstellungen stehen mir vor Augen: Menschen, welche die (Feld-) Arbeit unterbrechen, die Hände falten und ins Gebet versunken dastehen. Im Hintergrund ein Dorf mit Kirche. Man kann die Mittagsglocke förmlich hören, die zum Gebet ruft.

Manche sagen, der moderne Mensch, wer immer das sein mag, der hätte das Beten verlernt. Oder leben wir in einer Phase der Geschichte, in der das Beten eine Renaissance, also eine Art Wiedergeburt, eine Wiederbelebung erfährt? »Not lehrt beten.« Ich mag diesen Satz nicht. Denn suggeriert er nicht, dass ich Gott und das Gespräch mit ihm nicht brauche, solange es mit gut geht? Dass Danken vor Wanken schützt und Loben nach oben zieht: Alles vergessen?

Der heutige Sonntag »Rogate« ist ein dezenter Hinweis: Es ist so wichtig und es tut so gut, den Kontakt zu Gott nicht abreißen zu lassen. Das Argument, dass man schließlich nicht wisse, wie man in rechter Weise beten solle, wischt das Evangelium für diesen Sonntag gleichsam vom Tisch. Eine geistliche Handlungsanweisung, wenn man so will. Trau dich einfach. Zieh dich in die Stille zurück. Sei sicher, dass Gott dich hören wird, so unvollkommen dir selbst dein Gebet auch vorkommen mag. Schon ein Stoßseufzer genügt: »Sieh mich an, wie ich bin. Sei mit gnädig, Gott.«

'Und wenn mir gar nichts einfällt?' Dann vertraue darauf, dass euer Vater weiß, was ihr braucht, und zwar schon bevor ihr ihn darum bittet. Und dann lass dich fallen in diese eine Gebet, das Christen seit ewigen Zeiten sprechen, das sie untereinander verbindet und mit Gott. Dass die Schlussdoxologie  (»Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit«) in der Matthäusfassung fehlt und erst später dem Vaterunser hinzugefügt wurde, ändert kaum etwas an der unfassbaren 'zeitlosen' Energie, die in diesen von Jesus überlieferten Worten steckt.

Ich bin eingeladen, mich immer wieder im Gebet an Gott zu wenden; und auch dazu, meine eigenen Worte ernst zu nehmen. Was es bedeutet, wenn ich sage: »Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig wurden.«, macht Jesus mit klaren Schlussfolgerungen deutlich. Wir sollen eben nicht leere Worte aneinanderreihen, sondern konsequent nach dem handeln, was wir uns vor Gott vornehmen.

Gebet:

Wir danken dir, Gott, dass wir hineingenommen sind in die Gemeinschaft derer, die nach dir fragen, die ihre Hoffnung auf dich setzen und zu dir beten.

Deshalb bitten wir dich: Stärke unseren Glauben – auch gegen den Augenschein. Steh uns bei, dass wir bei Problemen und Enttäuschungen nicht gleich den Kopf hängen lassen oder verzweifeln. Schenke uns den Mut, die Hand zur Versöhnung zu reichen, Neuanfänge zu wagen und neue Wege einzuschlagen, voller Vertrauen zu dir. 

Wir bitten dich für unsere Kirchen: So mancher Schritt aufeinander zu wurde gewagt. Lass uns beharrlich sein in der Suche nach dem Gemeinsamen. Hilf uns, nicht nachzulassen, auch bei unbequemen Themen miteinander im Gespräch zu bleiben und nach Lösungen zu suchen.

Wir bitten dich für die Menschen, die nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll – mit ihnen persönlich, in ihrer Familie, an ihrem Arbeitsplatz. Steh ihnen bei und lass sie spüren, dass du auf allen Wegen bei ihnen bist. 

"Ich lebe, und ihr sollt auch leben", hat Christus gesagt. Das ist und bleibt der Grund unserer Hoffnung. Mit dieser Zuversicht wollen wir in die Woche gehen, die vor uns liegt.  Amen.

Segen

Gottes möge Sie in den kommenden Tagen segnen.
Ihr Pfarrer Uli Burkhardt

 

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