Lukas 7: Eine Sünderin salbt Jesus

unbekannter Künstler, Schweiz 16. Jh.

Eine Sünderin salbt Jesus

Jesus ging in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlrie­chendem Öl und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl. Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist. Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister! Jesus sagte: Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig. Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben? Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht. Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet. Du hast mir (zur Begrüßung) keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst. Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe. Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt? Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! (Lk 7,36-50)

Das Evangelium für die Christen, die keine Juden sind
Lukas schreibt sein Evangelium für die sogenannten „Heidenchristen“, also für Menschen, die in der griechischen oder römischen Religion und Götterwelt aufgewachsen sind. Das mache ich mir bei meinen Gedanken zu dieser Geschichte bewusst.

Eine Sünderin
Manche können mit dem Wort „Sünderin“ nichts anfangen. Wer möchte sich selbst schon als Sünder oder Sünderin bezeichnen oder bezeichnen lassen. Das klingt fast so, als ob wir schlechte Menschen wären. Was ist eigentlich eine Sünde? Sünde ist, wenn ich etwas tue, das gegen mein Gewissen verstößt beziehungsweise wenn ich gegen Gottes Willen handle und anderen Liebe schuldig bleibe oder sogar Schaden zufüge. Eine Richtschnur sind und bleiben dafür die 10 Gebote. Für wen steht diese Sünderin? Kann ich mich in ihr wiedererkennen? Kann ich mich Jesus nähern und ihm vertrauen, dass er mir vergibt. Brauche ich Vergebung?

„Wenn Jesus ein Prophet wäre“
Das Evangelium lässt uns in die Gedanken des Pharisäers Simon schlüpfen, der sich fragt, was er von Jesus halten soll. Er hat von Heilungen gehört, von Jesu Lehre, von der Begeisterung der Menschen und möchte sich ein Bild machen. Verständlicherweise misst er Jesus an seinen Regeln und Maßstäben, wie er sie gelernt hat und kennt. Jesus verstößt gegen diese Regeln und lässt sich von der Frau berühren auf eine ganz besonders anrührende Weise. Damit fällt Jesus durch sein Raster. Doch gilt dieses Raster? Stimmt es? Das kurze Beispiel von den Schuldnern erklärt, dass Gottes Absichten nicht messen und urteilen sind, sondern annehmen und vergeben, so dass Leben und Liebe wachsen können.

Ihr sind ihre viele Sünden vergeben, weil sie so viel Liebe gezeigt hat.
Wem nur wenig vergeben wird, der zeigt nur wenig Liebe.

Der zweite Satz macht deutlich, dass es die Liebe nicht die Währung ist, durch die sich die Frau Vergebung verdient hat, sondern dass Vergebung und Liebe in einem engen und wechselseitigen Verhältnis stehen. Das Lukasevangelium lehrt die Vergebungsbereitschaft Gottes ohne Vorleistung. Es erzählt von Zachäus, dem Zöllner und das Gleichnis vom barmherzigen Vater. Menschen verändern sich, wenn sie angenommen sind, wenn sie geliebt werden, wenn sie Anerkennung erhalten, wenn ihre Liebe angenommen wird … Solche Erfahrungen haben wir alle machen dürfen.

Deine Sünden sind dir vergeben!
Diese Formulierung drückt göttliche Vollmacht aus.
Für einen Menschen, der weiß, dass er vor Gott verantwortlich ist für sich und sein Tun;
für einen Menschen, der weiß dass er Gott und dem Mitmenschen und sich selbst Liebe schuldig geblieben ist;
für einen Menschen, der sein Tun selbst nicht gut heißen kann und der sich selbst dafür verachtet;
bringt die Vergebung mit göttlicher Vollmacht die größtmögliche Erleichterung.

Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden.
Danach hat die Frau gesucht. Danach hat sie sich gesehnt. Sie musste nichts dafür tun. Das Einzige, was sie gebracht hat, war der Glaube, dass Jesus sie nicht verurteilt und ihr die Vergebung Gottes schenkt, so dass sie sich selbst wieder annehmen kann. Ich möchte gerne in der Haut dieser Frau stecken. Ich möchte gerne diesen Frieden und diese Freude in mir spüren.

Man kann diese ganze Geschichte vielleicht auch als Reflexion des Evangelisten darüber verstehen, dass das Evangelium von Jesus bei den Heidenchristen mehr angenommen wird als bei den Juden.

Gebet

Guter Gott, himmlischer Vater,
ich danke dir für das Leben.
Du hast mich werden lassen. Du hast in mich den Willen gelegt, ein guter Mensch zu sein, nach deinem Bild und Gleichnis.
Du hast mich den Weg finden lassen: das Gebot der Liebe zu Dir und zum Mitmenschen wie zu mir selbst.

Ich verlasse immer wieder diesen Weg. Ich stelle mich selbst in die Mitte und liebe mich mehr als andere und auch mehr als dich. Ich bleibe Liebe schuldig und ich halte mich nicht immer an die Gebote, die ich mir als Richtschnur gegeben habe.
Dennoch glaube ich an dich. Ich glaube daran, dass du mir gut bist. Ich glaube daran, dass du meine Tränen annimmst und auch die Liebe, die ich immer wieder zu schenken versuche.
Guter Gott, himmlischer Vater,
danke, dass du mich sein lässt und dass ich bei dir Frieden finde – immer wieder neu. Amen.

Das Bild ist von einem unbekannten Künstler aus der Schweiz im 16. Jh. Die Fensterkreuze sind ein Hinweis darauf, dass Jesu Weg der Weg ans Kreuz ist. Mit seinem Leben steht er dafür ein, dass Gott dieser Sünderin vergeben hat. Mit seinem Leben steht er für jeden ein, der an seine Botschaft glaubt.

Eines der neueren Kirchenlieder singt vom Frieden, den Jesus bringt:
https://youtu.be/ZxU_AEkG6Dk

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