Lukas 17: Die zehn Aussätzigen

Jesus schenkt zehn Aussätzigen neues Leben

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.  Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Mitleid mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen. (Lk 17,--19)

Der „Aussatz“
ist eine bakterielle Krankheit, die wir heute Lepra nennen. In der Antike gab es kein Heilmittel gegen diese Krankheit, die auf die Dauer unweigerlich zum Tod führte und hoch ansteckend war.  Deswegen wurden Menschen, die Symptome zeigten, die von den Zuständigen (damals Priester) als Aussatz identifiziert waren, isoliert. Aussatz trennte von der Gemeinschaft, ja sogar von Gott.

Jemanden behandeln wie einen Aussätzigen
Isolation als Schutz vor Ansteckung ist uns inzwischen wieder sehr geläufig geworden. Es gibt auch andere Gründe für soziale Ausgrenzung: Die ganz lapidare Frage ist: Gibt es jemand, mit dem ich nichts zu tun haben will? Warum? Und natürlich auch: Gibt es jemand, der mit mir nichts zu tun haben will? Warum?

Mitleid haben
klingt altmodisch. Ein wenig von oben herab. Wer Mitleid hat, ist in einer überlegenen Position. Was aber wäre die Alternative? Kein Mitleid haben? Mitleid haben heißt Anteil nehmen und etwas gegen die Not tun. Wer nur bedauert, obwohl er handeln könnte, hat kein Mitleid. Wir haben viele Anlässe, unser Mitleid zu zeigen. Es erübrigt sich, Beispiele aufzuzählen, weil jeder selbst weiß und merkt, wo sein Mitleid gefragt ist, seine Hilfe, sein Not wendendes Handeln. Selbst wenn wir es manchmal übersehen, sehr oft sehen wir und hören wir.

Jesu Mitleid heilt
die Aussätzigen und schenkt denen, die dem Tod geweiht scheinen, neues Leben. Die Heilung betrifft nicht nur den Körper, sondern hat tiefere Bedeutung. Jesus entreißt sie dem Tod und gewinnt sie für das Leben. Gottes Kraft schenkt leben. Sie überwindet den Tod. Das gilt auch für uns in der Nachfolge Jesu: Wenn wir uns einem Menschen zuwenden und ihn in die Gemeinschaft hereinholen, hat das tiefere Bedeutung: Er erfährt darin Gottes Kraft, die Leben schenkt. Wäre es zu verantworten, wenn wir von dieser Begabung keinen Gebrauch machen würden?

Jesus spricht mit göttlicher Autorität
wenn er am Ende sagt: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.“ Durch die Rückkehr des geheilten Samariters zu Jesus und seinen dankbaren Jubel zeigt der Evangelist, dass Jesus die Stelle der Priester einnimmt. Er schenkt Heilung schenkt und stellt sie fest und ihm wird dafür gedankt.

Lukas schreibt sein Evangelium für Heidenchristen,
also für Menschen, die wie Aussätzige als von Gott getrennt angesehen wurden. Der Samariter steht stellvertretend für sie: durch ihren Glauben sind sie gerettet. Entscheidend ist, dass sie erkennen: Jesus macht die Kraft und Liebe Gottes sichtbar in seinem Tun und in seinem Reden. Insofern können wir uns mit dem Samariter identifizieren: Wir danken Jesus, der uns in Leben holt, der uns den Weg zu Gott gebahnt hat, wir glauben an ihn. – So wollen wir auch nach seinem Vorbild handeln.

Gebet

Guter Gott, himmlischer Vater,
um dein Mitleid darf jeder bitten:
Juden und Muslime, Christen und Buddhisten,
Hindus und Jesiden.
Du begrenzt dein Mitleid nicht begrenzt auf bestimmte Gruppen.

Jesus hat deine un-begrenzte Liebe sichtbar gemacht,
weil auch er sein Mitleid nicht begrenzt hat.

Danke, dass wir dies sehen und erkennen können.
Danke, dass du diesen Geist auch in uns gelegt hast.

Lass diesen Geist in uns wirksam werden:
dass wir Mitleid zeigen und Leid lindern und heilen,
dass wir unser Mitleid nicht auf Gruppen begrenzen.

Wie der Samariter danken wir dir Gott,
für das Leben, für das unverlierbare Leben,
das wir von dir empfangen haben. Amen.

 

Das Bild auf der Vorderseite stammt aus dem Echternacher Evangeliar aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und findet sich in der Bibliothek des germanischen Nationalmuseums in Nürnberg.  Die beiden Bilder sind eigentlich nebeneinander angeordnet und machen deutlich: Die Heilung Jesu ist bei dem vollkommen geworden, der ihm dankt, weil Gottes Mitleid mit dem Menschen ihn gerettet hat.

 

Dazu passt dieses Kirchenlied:
https://youtu.be/CM_ynReROOo

c/o Evang.-Luth. Dreieinigkeitskirche Regensburg, Dechbettenerstraße 2a, 93049 Regensburg