Lukas 5: Die ersten Jünger

Eines Tages stand Jesus am Ufer des Sees von Gennesaret. Die Men­schen drängten sich um ihn und wollten Gottes Botschaft hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten ihre Netze. Er stieg in das eine, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück vom Ufer abzustoßen. Dann setzte er sich und sprach vom Boot aus zu der Menschenmenge. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: »Fahr hinaus auf den See und wirf mit deinen Leuten die Netze zum Fang aus!« Simon erwiderte: »Herr, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen.« Sie taten es und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen droh­ten. Sie mussten die Fischer im anderen Boot zur Hilfe herbeiwinken. Schließlich waren beide Boote so überladen, dass sie fast untergin­gen. Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus nieder und bat: »Herr, geh fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!« Denn ihn und alle anderen, die bei ihm im Boot waren, hatte die Furcht gepackt, weil sie einen so gewaltigen Fang gemacht hatten. So ging es auch denen aus dem anderen Boot, Jakobus und Johan­nes, den Söhnen von Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Jesus aber sagte zu Simon: »Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du Menschen fischen!« Da zogen sie die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten Jesus. (Lukas 5,1-11)

An das Unmögliche glauben?

Wunder geschehen, ich hab´s gesehen;
es gibt so vieles, was wir nicht verstehn.
Wunder geschehn, und ich war dabei;
wir dürfen nicht nur an das glauben, was wir sehn.“

So sang Nena im Herbst 1989, als die „99 Luftballons“ entschwebt, die Band gescheitert und ihr Sohn Christopher im Alter von 11 Monaten gestorben war; doch dann folgte eine bis heute an­hal­tende Karriere als deutsche Popsängerin – man muss nur an das Un­mög­liche glauben. An das Unmögliche glauben – das tat auch Simon, als er gegen allen Fischer-Verstand die Netze noch einmal am helllichten Tag auswirft, nur „weil Du es sagst“, wie er es gegenüber Jesus formuliert.  Hast Du auch schon einmal das „Un-Vernünftige“ getan – vielleicht genau wie Petrus nur deshalb, weil da jemand war, dem wir es zu­trauen, dass er recht haben könnte – entgegen all unserer Erfahrung? Traue ich das auch Jesus zu? Jetzt? Auch 2.000 Jahre später?

Wunder gescheh´n …

„Zufall“ könnte man sagen, dass die Jünger einen ordentlichen Fang in ihre Zillen sammeln konnten. Dass diese „Nussschalen“ leicht ken­tern können, ist allgemein bekannt. Viele Wunder kommen im Ge­wand des Zu­falls in die Welt. Ein Wunder ist ja nicht das große, „ex­tra-terrestrische“ Ereignis; es genügt, dass ich mich wie die Jünger damals wundere; dass mich etwas einen Moment lang ins Erstaunen bringt. Gibt es davon nicht so Vieles mitten im Alltag?! Das unerwar­tete Lächeln eines Menschen hinter seinem Mund-Nasen-Schutz; die überraschend perfekte Gewürzmischung meines Mittagessens; die ersehnte Begegnung nach der langen Zeit des Lockdowns; das uner­wartet fröhliche Erklingen einer Orgel; die Ausgeglichenheit des sonst nervenden Sohnes oder der anstrengenden Schwiegermutter; eine unerwartete Lösung eines Problems … könnte man nicht noch lange weitererzählen? Es könnte helfen, das Wort Wunder mehr in unseren Alltag hineinzu­neh­men. Immer dann, wenn wir kurz staunen, nicht „Zufall“ oder „na ja..“ zu denken, sondern ein kleines Wunder entdecken.

„Ich bin ein sündiger Mensch“

Eigentlich hatte doch Simon alles richtiggemacht; er hatte Jesus in sei­nem Boot hinausgerudert; er hatte seinen Rat befolgt und die Net­ze ausgeworfen – und dennoch sagt er dann: „Ich bin ein sündiger Mensch“. Der Begriff Sünde ist wohl in der gesamten kirchlichen Tradition am tiefsten missverstanden worden. Viel zu stark ist er an das konkrete Handeln des Menschen geknüpft worden; und allzu sehr wurde er auf das individuelle, moralisch einwandfreie Verhalten eingeengt. Doch im Kern geht es um etwas, was viel tiefer reicht: Es ist die Frage, ob ich in meinem ganzen Wesen mit Gott verbunden bin. Vertraue ich mich diesem Gott und diesem Jesus an – ohne jedes Wenn und Aber? Kann ich mich da „fallen lassen“ wie ein kleines Kind im Arm seiner Mutter? Oder gibt es hier oder da doch noch einen Vorbehalt? DARUM geht es Petrus. Er spürt diese innere „Rückversicherung“, die seine Furcht auslöst. Noch kann er nicht zu 100% vertrauen. Die Antwort Jesu nimmt genau diese Furcht und dieses Gefühl, nicht verbunden zu sein auf: „Hab keine Angst!“ Könnte man das Gemälde von Raffael um eine Szene weiterlaufen lassen – Jesus und Simon würden sich wohl umarmen, mindestens aber einander die Hände reichen als spürbares Zeichen dieser Verbundenheit.

Jesus nachfolgen

„Alles zurück lassen…“ so wird es von den Jüngern erzählt. Auch der Begriff Nachfolge macht es uns schwer, das in unserem Alltag konkret umzusetzen. Wie soll das gehen mitten in unserer Welt der Miet­verträ­ge, Arbeitsverträge, der Verpflichtungen gegenüber Kindern oder Eltern inclusive all unserer Gewohnheiten und Regelungen, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben? All das gab es vor 2.000 Jahren nicht. Und es war selbstverständlich, dass Kinder früh das Elternhaus verließen, um schon bald für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen. Und nicht selten war man froh, einen „Esser“ weniger zu haben. Wegzugehen war damals normal, selbst wenn man Familie hatte. Doch auch hier geht es nicht um die äußere Gestalt. Auch hier geht es um meine innere Haltung, darum, welchen Platz ich Gott und Je­sus Christus in meinem Herzen einräume. Ist er in dem weiten Rund meines Leben ein Steinchen unter anderen, das halt „auch“ da liegt? Oder liegt es im Mittelpunkt und gibt allem anderen seine Ausrich­tung? Passt sich mein Glaube allen anderen Tätigkeiten und Ver­pflich­­tungen an und sucht sich irgendwo ein Plätzchen? Oder ist mein Glaube so etwas wie eine Brille, mit der ich ALLES andere anschaue? Simon entschied sich dafür, den Beruf als Fischer eine Zeit lang „an den Nagel zu hängen“. Ganz sicher fiel ihm das auch deswegen leich­ter, weil Andreas, Jakobus und Johannes ähnlich dachten und ent­schie­den. Wir müssen für uns selbst entscheiden, WIE Nachfolge konkret aussehen kann. Ganz sicher ist es jedoch eine große Stütze, wenn man in dieser Frage Gefährten und Gefährtinnen hat, die ähnlich fühlen und entscheiden.

Gebet

Jesus Christus;
Du weißt, dass das mit der Nachfolge gar nicht so leicht ist.
Wir haben die scheinbar glanzvollen Bilder der Bibel vor uns
und fragen uns, wie Nachfolge im Alltag aussehen könnte.

Ich bitte Dich:
Begleite mich durch den Tag, wie Du auch die Jünger im Alltag dabei gehabt hast. Lass es mich spüren, wenn mein Vertrauen gerade ein wenig brüchig ist. Manchmal wankt es wie die Boote der Jünger; und dann bin ich dankbar, wenn Du da bist.

Ich bitte Dich:
Gib mir einen wachen Blick für die kleinen Wunder dieser Welt.
Ich möchte sie immer wieder entdecken in meinem Leben.
Denn sie stärken mein Vertrauen und sie wärmen mein Herz.

Danke, dass Du mir nachgehst, schon bevor ich Dir nachfolgen kann.
Amen.

Der Künstler Raffael (1483-1520) entwarf für von Papst Leo X. für die Six­ti­ni­sche Kapelle in Auftrag gegebenen Wandteppiche die Motive. Die groß­for­ma­tigen Vorlagen dazu entwarf er spiegelverkehrt auf Karton. Anschließend wur­den sie an den berühmten Teppichhersteller Pieter van Aelst in Brüssel ge­sandt. Sie werden aus konservatorischen Gründen heute in der Vati­kani­schen Kunstgalerie aufbewahrt.

Wenn Sie das Lied von Nena noch einmal anhören möchten, finden Sie es auch auf Youtube: „Wunder gescheh´n“
https://www.youtube.com/watch?v=FZXMVlwUSVE

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